Das Byggesett Orchestra ("Byggesett" ist der norwegische Begriff für Bausatz) ist eine Band aus Mönchengladbach und Umgebung und spielen in der Besetzung Georg Sehrbrock (Keys, Electronics), Peter Körfer (Git, Electronics), André Hasselmann (drum) und Markus Türk (Trumpet, Bass) schon seit vielen Jahren zusammen. Gerne werden aber auch Gastmusiker eingeladen. Den Stil der Band ist nicht so einfach zu beschreiben und schwankt irgendwo zwischen wildem elektronischen Rock und Ambient, mit Einflüssen von Jazz und Minimal.
Vier Jahre nach ihrem Album "Wild Birch" hat die Band im Oktober 2018 das Album "Meanwhile" herausgebrach und der Hörer wrd hier auf eine ca. 73-minütige Klangreise mitgenommen. Die 7 Stücke basieren zum größten Teil auf immer weiter veränderten Live-Sessions. Das Album startet fast meditativ, mit einer Sequenz (Gulfoss) und man findet auf dem Album sowohl sehr ruhige, fast melancholische Stimmungen, aber auch eben auch echte Kracher bei denen es einem nicht auf dem Stuhl hält. Ein besonderes Stilmittel ist die verwendete Trompete, sie gibt der Album-Atmosphäre einen besonderen Kick. Vergleiche, aber durchaus positive, mit Nils-Petter Molvaer sind naheliegend.
Man merkt, dass die Zeitspanne für das Album gut gewählt wurde, denn es ist ein abweschlungsreiches Werk geworden. Ich finde, dass nicht nur offene Freunde der elektronischen Musik mit auf ihre Kosten kommen.
https://byggesett-orchestra.bandcamp.com/album/meanwhile
Michael Wlochinski

Mit seinem zweiten epischen Meisterwerk in 2018 katapultiert sich "Martins Garden" weit oben an die Spitze der weltbesten Electronic-Künstler. "Odyssey" ist beim ersten Kontakt eventuell nicht für jedermann zugänglich. Es brodelt und zischt aus allen Kanälen. Jeder einzelne Track ist eine cineastische Aufführung, ein spannendes, unvorstellbares Klangerlebnis und absolut tanzbar. Martins (Sound-)Garden ist eine nahezu überbordende Transformation aus Ambient, PsyDub, Future-Reggae und SciFi-Electronic - spritzig, lebensbejahend und zur Überraschung aller absolut melodisch. Klänge, die die Welt noch nie gehört hat. Obergenial.
Wie immer, wenn Bernie Land seinen Riesen-Synths-Fuhrpark für eine CD-Produktion anwirft, klatschen sich die Mitarbeiter der Hessischen Stromversorger ab und geben sichere Arbeitsplatzprognosen für die kommenden Monate. So auch dieses mal, denn der Rodgauer vermengt seine unzähligen Maschinen zu einer Addition tonaler Farbvielfalt und durchstreift thematisch alles von Rot bis Blau und von Gelb bis Grün. Das sich hinter dem Konzept ein Spiegelbild der Menschheitsidentitäten verbirgt, verrät das umfangreiche Booklet, dass auf seine Weise, Farben und humane Ansichten zusammenfügt. Die Musik ist spannungsgeladen und abwechslungsreich, mal sphärisch mal minimal, mal schräg aber fast immer irgendwie bunt. Ganz so, wie es das Thema vorgegeben hat. Ob die CD dabei nochmal in einen limited Karton gemusst hätte, muss der BML-Fan entscheiden. Dem Rezensenten hätte dies aber nicht gefehlt.
Warnung an alle EM-Traditionalisten - diese Musik könnte sie schockieren - oder ihr Leben verändern! Der relativ unbekannte Sounddesigner Marcel Umberg alias "Martins Garden" aus der Schweiz entführt den geneigten Hörer in eine total abgefahrene, abstruse, fremde Klangwelt, die man so noch nie gehört hat. Es wappt und schwabt, es knarrzt und scheppert - das bisherige Hörempfinden wird völlig auf den Kopf gestellt mit bombastischen und dennoch harmonischen, filigranen Klängen. Wenn Wolfgang Amadeus Mozart das digitale Sound-Equipment der heutigen Zeit hätte, würde er solche Musik kreieren. Eine phänomenale Produktion und Komposition zieht sich durch das gesamte opulente Werk. "Martins Garden" moduliert eine organische Soundmelange aus Psychedelic, Dub, Electronica und Ambient, partiell mit gewaltigem Chor, die man nur mit einem Wort beschreiben kann: Wahnsinn!
Der Franzose Sylvain Texier