Wenn ein Album als "Berliner Schule" deklariert wird, hat der geneigte Hörer ein gewisses Klangbild vor Ohren. Mit Bertrand Loreau und Lambert treffen hier zwei Künstler aufeinander, die ein doch großes Spektrum dieses Musikstils abdecken, kommen sie zum einen aus der Klaus Schulze und zum anderen der Tangerine Dream Ecke, insbesondere deren Stilen der 70er und 80er Jahren. Was kann man nun aus solch einer Zusammenarbeit erwarten? Klanglich jedenfalls hat mich das Album durch seine Vielfalt und einen spannenden Variantenreichtum überrascht. Hier scheinen nicht nur die genannten Künstler eingang gefunden zu haben, sondern auch andere inspirative Quellen. Man mag mich schlagen, aber für mich klingen so einige Stellen nach einem frühen Jean-Michel Jarre, anderes erinnert mich stark an Syn-Code von Software (unter Peter Mergener). Vielleicht ist dies aber auch eine Eigenheit der verwendeten Instrumente, die hier ausschließlich von der analogen, traditionellen Art elektronischer Musik sind.
Das Album besticht durch die knackigen Sequenzen, melodisch getriebenen Flächen und vielen elektronischen Effekten, die dem Ganzen ein flirrendes Dasein verpassen. Jedes der drei langen Stücke des Albums scheint sich in deren Verlauf immerwährend weiter zu entwickeln, bleibt, wie von der zitierten Zeit gewohnt, nicht lange bei einem Thema stehen. Die vermeintlichen Wiederholungen wandeln sich derart, dass man das Gefühl hat, einem lebenden Stück Musik zuzuhören, einem klanglichen Organismus, der weniger eingespielt als sich selbst findend anmutet.
Für Liebhaber der traditionellen, ursprünglichen elektronischen Musik aus den frühen Zeiten sicherlich ein Kleinod, aber auch für Fans der jungen Elektronik eine schöne Reise in eine mehr organische Klangwelt des technisch dominierten Genres.
Bezug: Spheric Music
Stefan Schulz

Gunnar Spardel, Mastermind von Tigerforest beglückt uns immer wieder mit hochkarätigen Veröffentlichungen. Auch sein neueste Werk bildet keine Ausnahme und vollführt den gekonnten Spagat zwischen eigener Stillistik und Schilleresker Musik, die einen über das gesamte Album im ewigen Glücksmoment -Modus verweilen lässt. Vorrausgesetzt man mag die Symbiose vokaler Träumereien und Syntheticals die selbst der Großmeister des Genres nicht besser hinbekommt. Der Sound ist top, die Klangteppiche voluminös und das Produktionslevel extrem hoch. Warum ist Tigerforest bisher noch nicht so richtig abgegangen? Vielleicht liegst am Bandnamen oder vielleicht brauchts noch ein bisschen mehr Marketing oder vielleicht doch mal mit Namedropping versuchen? Uns ist es egal, hauptsache es kommen immer so gute Nummern heraus. Irgendwann klappts dann auch mit dem ersten richtigen Charterfolg. Verdient wäre es!
Wäre nicht ganz seine Wellenlänge, ob ich nicht eine Rezension davon machen wollte, schreibt Stefan (Erbe). Warum nicht, reinhören sollte man immer mal, nicht ohne Grund hat der Autor dieser Zeilen mal gesagt, der Kopf wäre rund, damit man in alle Richtungen gleich gut denken kann.
Es gab eine Menge guter und weniger guter Alben in den vergangenen Monaten zu hören, das hier besprochene gehört aber definitiv in die erste Kategorie. Jens H-Kruhl alias Wiesenberg schüttet in seinem Debüt-Silberling die ganze Breite seiner musikalischen Optionen aus und zeigt, dass es eine gute Idee ist, nicht nur auf einem EM-Genre zu verweilen. Auch wenn hier alte und neue Tracks zusammengefunden haben, so erfreut uns die Detailverliebtheit und die Bereitschaft auch über den üblichen Tellerrand hinauszuschauen. Sein Sound ist eigenständig, auch wenn sich hier und da ein paar bekannte Pionier-Schubladen öffnen. Eigentlich verrät uns nur das Artwork der CD, dass es sich um das Erstlingswerk handelt und man (zunächst erstmal) viel Wert auf Inhalte gelegt hat. Besser so als anders herum! Gelungerer Start.
Langweilig wird es bei Stefan Erbe nie: Neben seinem Projekt mit Steve Baltes schafft er es auch immer noch, ein Soloalbum pro Jahr herauszubringen, und nie ist eines dieser Alben eine einfache Fortsetzung seines Vorgängers - Abwechslung ist angesagt.