Gut Ding will Weile haben - das haben sich Steve Baltes und Stefan Erbe wohl für ihr zweites Album "Electric Garden" gedacht. Das war vielleicht auch gar nicht verkehrt, sind die Erwartungen nach dem Erstling "s-thetic²" doch alles andere als niedrig.
Das Warten hat sich aber gelohnt, zeigt auch die zweite Veröffentlichung der beiden, wie eine gelungene Mischung zweier unterschiedlicher Stile aussehen kann - auf der einen Seite die härteren Rhythmen und Effekte von Steve, auf der anderen die sanfteren Melodien und Klänge von Stefan. Das heißt aber nicht, dass 'Electric Garden' genauso klingt wie der Vorgänger. War die s-thetic² eher spacig-ambient angelegt, bilden hier in den meisten Titeln die Sequenzen das Fundament. Die werden aber nicht wie bei Vertretern der 'reinen' Berliner Schule bis zum geht-nicht-mehr ausgewalzt, alle Titel kratzen bestenfalls an der Zehn-Minuten-Marke. So wird der Trip in den bunten Garten elektronischer Klänge nie langweilig.
Als Extra finden sich am Ende des Albums noch zwei Solo-Titel: "Only One Step" von Stefan Erbes letzter Solo-CD "The Freedom Of Movement", und "Basic Lifeform" dürfte allen vertraut vorkommen, die Steves Life-Auftritt auf der letzten Schwingungen-Party in Hamm mit erlebt haben. So hat der geneigte Hörer direkt beim Durchhören die Möglichkeit, sich zu überlegen, wie zwei Stile zu einem verschmelzen und in welchem Titel "mehr Stefan" oder "mehr Steve" steckt - eine Mischung, deren Verhältnis von Titel zu Titel variiert, aber auf jeden Fall wieder gelungen ist!
Alfred Arnold

Auch Bernd Scholls neuestes Album verfolgt die Synergie seiner astromedialen Verbindung von Space und Sound, vollführt dabei aber eine deutliche Veränderung. Es klingt deutliche defensiver, reduzierter und nachdenklicher als die vergangenen Alben des Eifelers. Natürlich gibt es die typischen Beats und Rhythmus-Muster die eben den Moonbooter-Sound ausmachen, aber der schwarze Mond mag irgendwie suggerieren als ob seine Musik einen kleinen Wandel durchlebt. Einige der Tracks erfordern deutlich mehr Zeit zum Zuhören und weniger des Konsumierens. Gut so und vielleicht führt der nächste musikalische Weg sogar mal auf irdische Breiten- und Längengeraden, wäre doch toll mal zu erfahren wie sich die Musik von Bernd Scholl durch heimische Inspirationen anhören würde. Tolles Album.
Wer den Niederländer Remy Stroomer und seine Musik kennt, wird wissen, dass er eher selten mit dem typischen Genre-Elektronik-Sound mitschwimmt. So auch in seinem neuesten Solo-Werk, dass nun nach einer langjährigen EM-Pause erschienen ist und seine Fans zu einer intensiven Beschäftigung verpflichtet. Die Tracks sind komplex und kantig, schaffen düstere Empfindungen und entsprechen ganz dem Titel des Slberlings. Aber wer sich die Zeit nimmt in das Werk einzutauchen, wird auch viele "positive" Highlights entdecken, nämlich die, in denen Remy seine künstlerische Qualitäten voll ausspielt. Fears ist und bleibt kein EM-Mainstream, spielt aber auf einem hohen Level, welches direktes Zuhören erfordert. Dann eröffnet es nicht nur Dunkles sondern viel Licht, die uns keine Angst machen muss.
Wieder einmal viel beworben und in den Reihen der Elektronikfans skeptisch beäugt, am 2. Dezember erscheint Oxygene 3 von Jean-Michel Jarre, ein neuer Versuch, an sein Erfolgsalbum von 1976 anzuknüpfen. Vor genau 40 Jahren also erschien das erste Album namens Oxygene. Im Gegensatz zu Oxygene 2 war Jarres Intention, das neue Album im Geiste der ursprünglichen Kompositionen entstehen zu lassen. Muss man nun von dem dritten Kapitel der Reise begeistert sein? Muss man nicht. Aber man kann es durchaus mögen.
Wenn ein Album als "Berliner Schule" deklariert wird, hat der geneigte Hörer ein gewisses Klangbild vor Ohren. Mit Bertrand Loreau und Lambert treffen hier zwei Künstler aufeinander, die ein doch großes Spektrum dieses Musikstils abdecken, kommen sie zum einen aus der Klaus Schulze und zum anderen der Tangerine Dream Ecke, insbesondere deren Stilen der 70er und 80er Jahren. Was kann man nun aus solch einer Zusammenarbeit erwarten? Klanglich jedenfalls hat mich das Album durch seine Vielfalt und einen spannenden Variantenreichtum überrascht. Hier scheinen nicht nur die genannten Künstler eingang gefunden zu haben, sondern auch andere inspirative Quellen. Man mag mich schlagen, aber für mich klingen so einige Stellen nach einem frühen Jean-Michel Jarre, anderes erinnert mich stark an Syn-Code von Software (unter Peter Mergener). Vielleicht ist dies aber auch eine Eigenheit der verwendeten Instrumente, die hier ausschließlich von der analogen, traditionellen Art elektronischer Musik sind.