
Bei Vulkanologen ist ein "pyroklastischer Strom" ein Strom aus heisser Luft und Asche, der einen Hang herunter rollt und alles auf seinem Weg zerstört. Ähnliche Risiken muß man nicht befürchten, schiebt man das neueste Werk des Aacheners Robert Schroeder in den heimischen Player. Zum einen können nur Klänge statt Lava und Asche aus den heimischen Boxen fließen, zum anderen geht Robert das Thema "Vulkanausbruch" in eher gemäßigtem Tempo an.
Das ergibt auch Sinn, denn für einen Ausbruch muß erst einmal Druck aufgebaut werden. So erleben wir im Einsteiger "Pressure" klassische EM-Sounds und -Sequenzen, die an Schulze-Alben vergangener Jahrzehnte erinnern. In den folgenden Tracks zeigt Robert Schroeder seine kompositorischen Fähigkeiten und seinen Perfektionismus, wenn er den Hörer kontinuierlich und ohne harte Brüche bis zum Höhepunkt in den letzten beiden Tracks führt.
"Pyroclast" bietet, wie von Schroeder-Alben bekannt, eine Reise quer durch die Tempi klassischer elektronischer Musik, von Ambient bis Beat-lastig, und das in einem durchgängigen Rahmen eingepasst. Wer spontane und unerwartete musikalische "Ausbrüche" erwartet, könnte von diesem Album ein wenig enttäuscht sein. Aber auch Vulkanausbrüche gibt es in der Natur in der mehr oder weniger explosiven Sorte - der auf "Pyroclast" ausgemalte ist einer der kontrollierten Art. Ob man sich von diesem "pyroklanglichen" Strom einhüllen läßt, oder ihn von der Warte des Beobachters aus bewusst beobachtet, das bleibt dem Hörer überlassen. Ein Hörvergnügen ist "Pyroclast" auf jeden Fall.
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Alfred Arnold


Es gibt (ganz) sicher nur eine Handvoll seitenziehender Elektromusiker wie Max „Maxxess“ Schiefele, die sowohl die Kunst des kreischenden Gitarrenschleuderns, als auch als exzellenter Tastenvirtuose ihr Handwerk beherrschen. Der vielgefragte Bayer kann einfach beides und schafft sich schon seit Jahren damit (s)ein Imperium aus beiden Welten. Auch das neu entstandene Album strotzt wieder von beeindruckender Dynamik dieser Symbiose und beliefert uns SAGAreske Geschichten, heroische Metaleinflüsse und klug konzipierte EM-meets-Melodic-Guitar-Epen. Selbst Schremmel-Musik-Ablehner wie den Rezensenten schmeckt die Zusammenstellung so gut, dass er in diesem Fall den Superstar-Buzzer drückt, um das Album ins noch junge Finale der Besten Produktionen des Jahres 2021 zu schicken. Gut gerockt Max, Du hast es einfach immer noch drauf!
Torben Webers Strategie, spannungserzeugende Tracks ohne Hookline und Melodien zu erzeugen funktioniert erstaunlich gut, denn der hessische Klangkünstler wechselt geschickt zwischen diversen Electronic-Genres und beliefert uns damit eine universaltaugliche Beschallungsgrundlage, die sowohl als begleitendes Hörelement als auch Stimmungsgeber für bewegende Momente herhalten kann. Der Viela-Sound ist klug konstruiert und Klangstein schickt damit eher die Elemente der Gesamtstimmung in den Vordergrund. Ein Konzept, dass bei nahezu allen Stücken aufgegangen ist. Die Vocal-Nummer „Ganz Leise“ kannten wir zwar schon, ist aber in der Viela-Version erneut ein Ausnahmeposten, von denen es gerne in Zukunft ruhig ein paar mehr geben dürfte. Stimmungsvoller Begleitsoundtrack für den Tag zwischen Arbeit und Abhängen.
Der Osnabrücker Thomas Lemmer gehört(e) nicht nur in den letzten Monaten zu der Kategorie der fleißigen Musiker. Noch kurz vor Jahreswechsel lieferte er noch ein weiteres echtes Ambient-Album ab und beschließt das Jahr mit einem Kontrastpunkt zu den vorherigen Produktionen. Die 11 Stücke der ambienten Nacht sind allesamt mehr als nur reine Funktionsmusik und streben dabei dennoch nach einem virtuell schwebenden Konsumzustands, denn klassische Song- und Refrainmuster sind ebenso wenig zu finden, wie auch der sonst übliche Lemmer-Chillout-Style. Vielmehr umgibt sich der Tonträger mit einem endlosen Gebilde an tiefenwirksamer Entspannungs-Stase, die nur ganz selten von ein paar Vokalen oder leichten Klaviermustern durchbrochen wird. Wer bei geschlossenen Augen schnell mal auf sein eigenes Holodeck der simulierten Wald- und Wiesenwelten surfen möchte, wird schon nach ein paar Takten ungestört seine innere Mitte finden. Und beim großen Versandversender mit dem großen „Ahhh“, wird unter der hier rezensierten Musik sicher der Hinweis zu lesen sein „Kunden die Massageöl kauften, nach Entspannungsbädern suchten und Wochenenden in Spa´s buchten kauften auch…dieses Album“. Garantiert.