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Städte schreiben sich ja bisweilen zusätzliche Titel auf ihre Ortseingangsschilder.  Meine Heimatstadt Aachen hat sich eine Weile darauf mit ihrer Exzellenz-Universität geschmückt, und ein Jahr lang durfte man sich auch 'Bundesligastadt' nennen.  Das ist nun schon einige Zeit vorüber, andere Titel sind von größerer Dauer.  Solingen mit seiner Tradition in der Messer-Herstellung begrüßt den Besucher als 'Klingenstadt'.  Am heutigen Tage wäre der Titel 'Klingende Stadt' aber genauso passend.  Warum?  Es ist einmal wieder Zeit, den Güterhallen im Südpark einen Besuch abzustatten, wie jedes Jahr hat das Künstlerpack (so nennen sie sich selber!) ein Event mit Musik und Kunst auf die Beine gestellt.  Das diesjährige Motto, unter dem elektronische Musik und Kunstwerke präsentiert werden, lautet 'Rondo' - eine aus der Musik geläufige Form, bei der sich ein wiederkehrender Abschnitt mit verschiedenen Gestaltungen immer wieder abwechselt. Übertragen auf die Veranstaltung: Bewährtes kombiniert mit Neuem, oder ganz verschiedene Konzerte, eingebettet in einen gemeinsamen Rahmen.  Die angekündigten Acts - Rikeerik, Moogulator und Booth & Creek - hatte ich alle schon vorher einmal irgendwo gesehen, und ich wusste, dass es ein sehr abwechslungsreicher Nachmittag und Abend werden würde.

Wenn man Berlin als die "Wiege" der elektronischen Musik in Deutschland sieht, dann ist es eigentlich eine Schande, als EM-Fan noch nie bei einem Event in Berlin gewesen zu sein.  Als Tangerine Dream 1987 vor dem Reichstag spielte, hatte ich noch nicht das Geld für den Flug, und auch in den folgenden Jahren hatte es sich nie so recht ergeben.  Der 'Pott' liegt doch deutlich näher an Aachen und hat alleine mehr zu bieten, als man alleine sich anschauen kann.

Aber irgendwann musste es mal sein, und eine Mitfahrgelegenheit (nochmals danke, Dierk!) sowie ein günstiges Hotelzimmer waren dann die Chance, diese Lücke zu schließen.  Am 20. Januar dieses Jahres jährte sich Edgars Todestag zum zweiten Mal, und auch dieses Mal organisierte seine Frau Bianca ein Event, um zu verdeutlichen, dass sein Werk weiterlebt und er immer noch in vielen Köpfen so präsent ist wie zu seinen Lebzeiten.

Zweimal im Jahr steht Oirschot auf dem Reiseplan eines 'Hardcore-EM-Fans' wie mir: einmal im Frühjahr, wenn Ron Boots in 'De Enck' zum E-Day einlädt, und im Herbst, wenn am gleichen Ort E-Live stattfindet.  Gelegentlich gibt es aber noch einen dritten Grund, nämlich wenn Ron das neue Jahr mit einem 'kleinen' Extra-Event eröffnet.  'Klein' bedeutet, dass nur zwei statt der sonst üblichen vier Konzerte gegeben werden, und diese auch direkt am Abend beginnen.  Also quasi ein 'halber E-Day', aber natürlich nur von der Länge her, nicht was die Qualität angeht.

Mathias GrassowDenjenigen, die Mathias Grassow vielleicht noch nicht (oder nicht so gut) kennen, möchte ich ihn gerne kurz vorstellen: Mathias wurde 1963 geboren und wuchs in Wiesbaden auf. Nach ersten musikalischen Gehversuchen an Schlagzeug und Gitarre in den späten 70er Jahren wandte er sich der elektronischen, speziell der Ambient-Musik zu. Er veröffentlichte seine ersten Alben zunächst auf Cassette (in den 80ern gab es eine gut entwickelte Untergrund-Cassetten-Szene), bald aber auch auf LP und CD. International bekannt wurde er durch „El Hadra“ (1991), dem gemeinsamen Album mit dem ehemaligen Popol Voh-Musiker und Sufi-Mystiker Klaus Wiese, einem der Mitbegründer der ursprünglichen New Age-Szene (bevor deren kommerzielle Verwässerung einsetzte). Seither hat Mathias mit einem anhaltenden Strom von ausgezeichneten Veröffentlichungen sein ursprüngliches Konzept immer weiter verfeinert, vertieft und erweitert.

Mathias Grassow ist einer der Pioniere und herausragenden Vertreter des sog. Drone-Ambient, seine Spezialität sind ausdrucksstarke introspektive, oft auch dunkel anmutende minimalistische Klanglandschaften von besonderer spiritueller Intensität.

Der Weihnachtsbraten ist vertilgt, alle Geschenke verteilt, und die Böller für Silvester sind auch schon gekauft.  Das Jahr ist geschafft - aber auch nur fast, sofern man Fan elektronischer Musik ist.  Schon seit einigen Jahren veranstaltet der Schallwende-Verein am 30. Dezember eines jeden Jahres das 'Hello'-Event im Planetarium Bochum.  Man kann es als Kehraus für das vergangene Jahr betrachten, aber eigentlich soll es einen Ausblick auf das kommende Jahr gewähren, deshalb auch der diesjährige Titel 'Hello 2017'.  Im letzten Jahr konnte man mit John Kerr ein veritables Comeback präsentieren, das mit einem ausverkauften Haus belohnt wurde.

So etwas gelingt natürlich nicht jedes Jahr, mit Uni-Sphere aus den Niederlanden war aber dieses Jahr ein noch recht neues Duo angekündigt, das mit seiner melodisch-flotten und durchaus tanzbaren Variante der EM den Geschmack Vieler getroffen hat.  Am Tag darauf ist ja auch Silvester, da passt solcherlei viel besser als 'Berlin-School-artige' Sequencer-Klänge.

Traditionell findet die Sound of Sky-Reihe eines Jahres Ende November oder Anfang Dezember ihren Ausklang.  Letztes Jahr hatte Stefan Erbe diesen Termin für seinen persönlichen musikalischen Jahres-Rückblick verwendet.  Dieses Mal sollte der Blick nach vorne gehen: Stefan Erbe wollte zusammen mit Steve Baltes das neue Album von Baltes & Erbe vorstellen, und 'Baltes & Erbe' steht auch noch auf meinen Karten, genauso wie bei denen, die sie lange im voraus gekauft hatten.

Aber manchmal laufen die Dinge nicht so, wie man es plant oder sich wünscht.  Aus persönlichen Gründen musste die Arbeit an diesem Album zurückstehen, der Premieren-Termin ist auf das kommende Frühjahr verschoben.  Stefan Erbe ist es aber gelungen, sich für dieses Konzert einen Gast zu angeln, für den man den Begriff 'Ersatz' eigentlich gar nicht in den Mund nehmen möchte, der wäre viel zu abwertend: Christian Ahlers aka 'BatteryDead' aus Oldenburg.

Elektronische Musik an außergewöhnlichen Spielorten hat eine gute Tradition.  Ein solcher Spielort ist zweifelsohne die Dechenhöhle bei Iserlohn, öffentlich zugänglicher Teil eines Systems von Tropfsteinhöhlen im Sauerland.  In dieser Höhle befindet sich ein größerer Saal mit Bühne und Platz für gut 100 Zuschauer, und bereits zum achten Mal hat Pyramid Peak einen Spieltermin auf dieser von Tropfsteinen eingerahmten Bühne ergattert.  Das ist also schon ein Event mit Tradition, auch wenn es nicht jedes Jahr mit einem Termin klappt - das letzte Mal waren Pyramid Peak 2014 in der Dechenhöhle.

Fast genau ein Jahr nach seinem Konzert in Erkrath war Bernd Scholl wieder Gast in der dortigen Heilig-Geist-Kirche. Offensichtlich hat es sowohl ihm als auch seinen Gastgebern und Zuschauern letztes Jahr so gut gefallen, dass man auch dieses Jahr einen Termin gefunden hat. Wie letztes Jahr schon war auch dieses Mal der MS-Treff Erkrath Organisator und Veranstalter. Ein Teil des Eintritts von 18 Euro kommt direkt der Arbeit des Vereins zu gute.