Nach dem eher erd-verbundenen Thema der Metalle nimmt Bernd-Michael Land uns auf seinem neuesten Album mit in die Weiten des Alls. Anlass ist die JUICE-Mission der ESA, mit der eine Reihe von Jupiter-Monden erforscht werden sollen.
Der besondere 'Clou' des Albums: Als Input und Ausgangspunkt dienten unter anderem Messwerte der elektromagnetischen Abstrahlungen von Sternen und Planeten. Schall gibt es im Weltall nicht, aber in der Astronomie nutzt man gerne das Prinzip der 'Sonifikation', um solche Messwerte in für den Menschen empfindbare Töne zu übersetzen. Auf "Juice" wurden diese Messwerte etwas anders verwendet: Anstelle einer einfachen eins-zu-eins-Umsetzung werden sie in den Kontext eines Albums gestellt. Und dieser Kontext ist die musikalische Beschreibung von JUICE's Reise, und was sie am Zielort mit ihren Instrumenten empfangen wird. Das erinnert mich an Robert Schroeder's Klassiker "Galaxie Cygnus A" von 1982.
Nach der dritten Episode um GENE und ihre Abenteuer im Weltall hat Stefan Erbe sich wieder irdischen Themen zugewandt: Auf "The Enemy Inside" ist ganz im Gegenteil das innerste Ich das Ziel, das eigene Bewusstsein, und die Mischung aus Unsicherheit und Zerrissenheit, die viele von uns in den aktuellen Zeiten in sich fühlen.
Es geschieht nicht mehr allzu häufig, dass mich ein neues Album in physischer Form als Silberling erreicht. Sinkende Auflagen, praktischere Handhabung und ein genereller Technikwechsel sorgen auch in 'unserer EM-Szene' für einen langsamen, aber seit Jahren bestehenden Trend weg von der CD als Tonträger.
Ein Musiker, der in dieser Hinsicht gegen den Strom schwimmt, und der durch den ausschließlich physischen Vertrieb seinen Werken eine besondere Wertigkeit gibt, ist Bernd-Michael Land. Sein 2025er-Album, das ich vor wenigen Tagen (an Bernds Geburtstag!) erfreut in meinem Briefkasten vorfand, hört auf den Namen "Schwer | Metall". Auf eine allzu wörtliche Auslegung des Titels hat Bernd bei der Verpackung verzichtet, hier hat Standard-Porto gereicht. Gegenüber anderen CD-Releases erhöhtes Gewicht erklärt sich - wie immer bei Bernd - vor allem durch das dicke Booklet, dass das Fassungsvermögen eines Jewel-Cases voll ausnutzt.
Gerald Arend aka 'Klangwelt' ist ein Musiker, der sich für seine Alben Zeit lässt. Regelmässig vergehen mehrere Jahre zwischen zwei Veröffentlichungen, und das ist bei seinem neuesten Werk 'Second Nature' nicht anders: Dessen Vorgänger erschien 2022.
Umso mehr lohnt es sich, Klangwelts Alben etwas genauer zu betrachten, und vor allen Dingen zu hören. Denn auch bei 'Second Nature' stellt man schon beim ersten Kontakt fest, wieviel Liebe zum Detail und Feinarbeit in jedem einzelnen Track stecken.
Gerald Arend versteht es, all die Stile, Konzepte und Sounds, die die EM in den letzten Jahrzehnten hervor gebracht hat, kreativ zu etwas eigenem zu verweben. Piano-Parts und Gitarrenriffs finden in dem runden Dutzend Titel genauso ihren Platz wie Sprach-Samples oder traditionelle EM-Sequenzen.
So vielfältig wie die eingesetzten Mittel werden dann auch die Titel: Kein Stück ist auf 'Second Nature' so wie das andere, stimmungsmässig hält dieses Album seinen Spannungsbogen bis zum Schluss und es wird nie langweilig. Zum Einstieg werden in 'Empress' elektronische Klänge mit einem weihevollen Touch versehen, der es dem EM-Fan ganz warm ums Herz werden lässt - nur um in 'Molecules' das Tempo mächtig anzuziehen. Ab dann wartet man förmlich darauf, welche Überraschung im nächsten Track wartet, wie zum Beispiel die zu Musik gewordene 'Rush Hour'. Auch bei nochmaligem Genuss sind immer wieder neue Details zu entdecken.
'Second Nature' ist ein Album, das in bester Tradition zu seinen Vorgängern steht, ohne sich zu wiederholen. Zu seiner hohen inhaltlichen Qualität gesellt sich auch eine ebenso gelungene Abmischung: Der Sound ist dynamisch und voll, aber ohne mit schierer Lautstärke erschlagen zu wollen. Das macht 'Second Nature' in der Summe für mich zu einem der bisherigen Highlights des (nicht mehr ganz so jungen) EM-Jahres 2025!
Zwei Jahre hat Stefan Erbe vergehen lassen, um der Geschichte um die künstliche Intelligenz GENE ein neues Kapitel hinzuzufügen. Und so wie es immer bei seinen Projekten ist: Man erkennt 'Metamorphosys' gleich bei den ersten Takten als Erbe-Album, und doch ist wieder vieles ganz anders als bei dem 2023er-Vorgänger.
Wer eine Fortsetzung der Geschichte um GENE erwartet, wie sie einen mit künstlichen Lebensformen beladenen Raumfrachter steuert und eine Entscheidung treffen muss, bekommt diesen Wunsch auf 'Metamorphosys' nicht erfüllt. Das Album kommt im Gegensatz zu 'Genesys 2023' ohne Dialoge und eine explizite Story aus, und ist wieder ein reines Instrumental- und Musik-Album. Das läßt mehr Raum für verschiedene Interpretationen. Der Begleittext und die Titel geben aber einen Hinweis: Es geht um das Streben nach Perfektion, beziehungsweise die Imperfektion, mit der man leben muß. Viele von uns streben auf irgendeinem Gebiet nach Perfektion, und hadern damit, sie nie zu erreichen. Aber wann ist eigentlich etwas 'perfekt'? Und wenn ein künstliches Wesen sich seiner selbst bewußt wäre, in welcher Hinsicht würde es sich als 'unvollständig' betrachten?
Empulsiv wurde 2011 als Webzine für (traditionelle) elektronische Musik gegründet. Es berichtete über ein Jahrzehnt von musikalischen Events und über Veröffentlichungen, präsentierte Interviews und Neuigkeiten aus der Szene. Ende 2022 wurde das Webzine eingestellt. Es wird nun als Infoportal mit Eventkalendar, Linksammlung und Archiv fortgeführt, so dass Neues sowies Vergangenes weiterhin gefunden werden kann.