Wir schreiben das Jahr Dreitausendneunhundertachtundvierzig! Ihr Sitz, im Gleitflieger A999 vom Mars zum Saturnmond Titan, fährt langsam in Neigeposition und aus den Biomechanischen Lautsprechern, die sich gerade an ihre Ohren transformiert haben, erschallen die ersten Spacesounds von Synestem, der sie auf der 70minütigen Reise, transformal begleiten wird. Es zwitschert, biept und pfeift, und wenn der suggestive "Film" nicht von ein paar Meteoritenschauer unterbrochen wird, beamt Sie die ambiente Flächenwohlfühlung in eine synthetische Umlaufbahn, aus der sie nur wieder aufwachen werden, wenn der zweite Track in einen etwas schnelleren Gang schalten wird. Auf der Hälfte der Reise gesellen sich dann nämlich perkussive Elemente hinzu, die womöglich schonmal auf die bevorstehende Landung einstimmen sollen. Und wenn abschliessend Kapitän Gerald Wirtz ihnen einen angenehmen Aufenthalt auf Titan wünscht, macht sich Track 1 schon wieder startklar, um die universale Rückreise einzuläuten.
synestem.bandcamp.com
Stefan Erbe

Endlich erreicht auch eine digitale Kopie der CD "Modern Ruins" die empulsiv Redaktion! Und wir sind wirklich froh darüber, hätten wir doch tatsächlich ein Album nicht beleuchten können das zu den besten des Jahres 2013 gehören wird. Nicht, dass nicht schon längst bekannt ist, dass Rene Splinter zu den vielversprechensten Neulingen der letzten Jahre gehört, vielmehr erstaunt es wie ausgefeilt und gekonnt der Niederländer den früheren TD-Sound in eine neue Richtung komponiert, die nicht nur das Orginal der Neunziger ebenbürtig herausfordert, sondern auf der Zielgerade sogar zu überholen vermag. Es klingt derart leicht und locker, detailverliebt und mit hoher Qualität notiert, dass man auch gar nichts an den Stücken auszusetzen hat. Natürlich ist die Musik angelehnt an die Haupstadtpioniere, aber es ist so weit entfernt davon eine billige Kopie zu sein, sondern outet sich als Produkt, dass dem Mandarinen-Sound tatsächlich eine neue Richtung und völlig eigenständige Schale zugefügt hat. Dass das eigentliche architektonische Thema von verfallenden Gebäuden, sich ebenfalls prima in das Kopfkino-Konzept einzubetten vermag, soll nicht nur unbetrachtet bleiben, es macht die CD nahezu perfekt!
In der heutigen Zeit, in der kaum mal ein Moment zu durchatmen bleibt, sind EP´s wie "White Air" dankbare Energiespender. Ideal um mal ein paar Minuten (komplett deren 30) in der geschäftigen Mittagspause einen kleinen Gang durch den benachbarten Park zu vertonen, an einem offenen Brunnen mit geselligen Spatzen zu sitzen oder um wenigstens den Bürostuhl Richtung Fenster zu drehen, um der Welt entschleunigt und in Zeitlupe zuzuschauen. Die Auswahl an vocalen und instrumentalen Stücken verspricht jede Menge Motivation um den Tag positiv zu beschliessen, vielleicht das Auto stehen zu lassen und noch einen kurzen Blick auf das eigene Leben zu werfen. Sinnieren auf hohem Niveau, Reflektieren am Abend und endlose Geschichten mit Freunden, begleitet von stimmunggebender Musik. Kurzer aber stilvoller Lebens-Soundtrack!
Wenn Coverbilder Musiker zeigen, die gemeinschaftlich am offenen Synths-Her(t)z schrauben, löten bzw. herumhantieren, so könnte man meinen, die EM läge auf dem virtuellen OP-Tisch und es bedürfte einer restriktiven Intensiv-Therapie. Weit gefehlt, denn die drei Jungs von PP zeigen sich eher als routiniertes Fachklinikpersonal, die mal wieder zielgerichtet, die richtige Behandlungsstrategie gefunden haben und in ihren rezeptfreien und mit 5 genesungsfähigen Syntheticals gefüllten Packungsinhalt, eine wirkungsvolle Medikation anbieten. Wirkungsvoll vor allem darin, dass sie alle eine vergleichbare Song-Indikation besitzen, eine 10-15minütige Wirkungszeit verfolgen und sich nach der Einnahme der gesamten Packung, eine wohltuende Entspannung vermittelt. Aber vorsicht, wer auf schnelle Genesung hofft, muss wissen, dass der Packungsinhalt durchaus mehrfach eingenommen werden muss, um vollendst geheilt zu werden. Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie bitte den CD-Verkäufer oder die Chefschrauber von PP!
Ich habe noch nie so viel New Age gehört, wie in den letzten 2 Wochen!