Rezensionen

fairy smallSicherlich wird Max "Maxxess" Schiefeles aktuelles Album eine gewichtige Rolle in der 2014er Jahres-Rückschau einnehmen, denn der Zupfer aus dem Süden, verzückt mit Green Fairy wahrhaftig nicht nur seine bisherigen Fans. Selten passten Synths und Gitarre so perfekt zueinander und erinnern den Rezenseur in den 7 Tracks oft an die guten alten Saga-Zeiten. Tolle Ideen, verpackt in diverse Spannungsbögen, hätten durchaus auch noch mehr Stücke ergeben können. Max bevorzugt aber lieber die Verbindung der Elemente und macht daraus XXL-Songs, die somit einfach etwas längere Geschichten erzählen. Gut so, denn die Kompositionen manifestieren sich zumeist nach einigen Minuten und verlangen dabei eine gewisse Zeit um komplett ausgespielt zu werden. Ein einziger Kritikpunkt (wenn man es überhaupt kritisieren darf), das Cover mag irgendwie nicht so richtig zur Musik passen und könnte vielleicht potentielle Käufer abhalten, mal genauer rein zu hören. Das wäre wirklich ein großer Fehler, denn wir finden, besser gehts nimmer!  www.maxxess.de

Stefan Erbe

illl-AlteredStatesOfMindDer slowakische Künstler und Labelbetreiber von Soun Records mit Namen Illl hat sich mit Altered States of Mind eine außerordentliche Veröffentlichung gegönnt. Das fast einstündige Werk besteht aus den acht Tracks Unknown 1 bis Unknown 8 und wird mit zwei Remixes vom Elektronik-Künstler Weldroid komplettiert. Der Stil der Stücke variiert leicht zwischen klassisch grundierter und ambient harmonisierter Musik mit gelegentlichen EInwürfen melodiöser Passagen. Dabei treibt er jedoch nicht in reine Wohlgefälligkeit ab, sondern garniert leichtfüßige Flächen mit kratzigen Elementen sowie Disharmonien und bringt so die richtige Würze in die Stücke. Eine Ausnahme bildet Teil 6, das mit einem langsamen aber anhaltenden Rhythmus daherkommt und auch sonst ein wenig garstiger ist. Die Zusatztitel sind unverkennbar von Weldroid, mit 90er Jahre Computerspieleklänge, eingängigen Drums und eigenwilliger Percussion. Altered States of Mind ist in meinen Augen ein sehr vielschichiges Album für erweitertes Kopfkino. Das Ganze kann man bei Bandcamp herunterladen, zum Preis nach Gefallen.

Bezug: http://section27.bandcamp.com/album/altered-states-of-mind

Stefan Schulz

Im Frühling war er auf Tour mit The Crimson ProjeKct und nutzte die Zeit vor dem eigentlichen Auftritt, um das Publikum mit Live-Improvisation in die richtige Stimmung zu bringen. In letzter Konsequenz füllte er damit die Rolle Robert Fripps in Gänze aus, nicht nur beim Auftritt der Gruppe, sondern auch als Einspieler Drone-artiger Gebilde im Vorfeld. Natürlich in seinem ganz eigenen Stil mit Touch-Gitarre. Dreizehn dieser Eröffnungsstücke hat er nun mit Sultry Kissing Lounge auf ein Album gebannt. Größtenteils ambiente Stücke, die sich über 5 bis 10 Minuten erstrecken und jeweils eigenständige Atmosphären aufbauen, benannt mit 13 Frauennamen und eines so verzückend wie das andere. Hier gehen weiche Klangstrukturen in härtere Gitarrenflächen spielerisch in einander über und ziehen den Hörer mitten in die Musik hinein. Jeder der Tracks verleitet zu einem Kopfkino abstrakterer Art und scheint mit den Gedanken des Publikums zu spielen. Definitiv hörenswert.

Bezug: http://www.iapetus-media.com/markus-reuter-sultry-kissing-lounge/

Stefan Schulz

Ganz klar ist noch nicht, welche Ursache die Explosionen in der Nähe der Steinigen Tunguska hatten. Aber dieses Ereignis wurde seit dem in zahllosen Kreationen aus der Buch-, Film- und Musikwelt thematisiert. Zum hundertjährigen "Geburtstag" des Phänomens gründeten einige Musiker die Tunguska Electronic Music Society. Hier gilt das Motto freie Musik von freien Künstlern für freie Menschen. Point: Altai ist das jüngste Album dieser Gemeinschaft, gewidmet der Geschichte eines Schamanen, der in dem Hochgebirge gelebt haben soll. Die Musik des Albums mit 11 Stücken von 7 Künstlern schwebt in atemberaubender Schönheit um den Hörer herum und reflektiert mit elektronisch-harmonischen Klängen die Schönheit der natürlichen Landschaft des mittelasiatischen Grenzgebiets. Die Stücke des Albums gehen dabei nahtlos ineinander über und bieten klanglich und stilistisch das Bild eines Gesamtkunstwerks. Sie sind von ambienter Natur mit langen, sich bewegenden Flächen und Geräuschkulissen, aber auch die sanft sich zurückhaltenden melodiösen Einwürfe überzeugen.

Bezug: http://tunguskagrooves.com

Stefan Schulz

BrcknerEverling-Sparrows CoverDas Side-Label von SynGate mit dem wohlklingenden Namen Luna mausert sich so langsam zu einer Sammelstelle elektronischer Musik mit Qualitätsprädikat. Angefangen mit sehr ambienter Prägung, finden sich mittlerweile Veröffentlichungen verschiedener Spielarten der EM auf diesem Label, außer Berliner Schule natürlich. Ein gelungenes Beispiel dafür ist dieses Album von Detlev Everling und Michael Brückner. Auf The Sparrow tritt nichts in den Hintergrund. Mit spielerischer Leichtigkeit wechseln die beiden Musiker zwischen ambienter Orchestrierung, ethnischer Weltmusik und chilligen Szenerien, und schaffen doch ein in sich stimmiges Werk. In den abwechslungsreichen Stücken erkennt man Experimentierfreudigkeit ebenso wie den Hang zur harmonischen Komposition. Und trotz teilweise leicht düsterer Instrumentierung bleibt bei mir am Ende das wohlige, entspannte Gefühl zurück, hier mehr als nur einen Spatz in der Hand zu halten.

Bezugsquelle: SynGate Records 

Stefan Schulz

Thirteen Rites of Passage by Michael BruecknerJubel !!!!! ..... warum? .... na, weil ich diesmal nicht so eine lange Trackliste schreiben muss und erstaunt über Michaels Brückners neue CD, die auch wieder bei Syngate erschienen ist, bin ich auch noch! Ebenso über den Rhythmus und die Drum-Programmierungen. Denn hiervon gibt es auf der -Thirteen Rites Of Passage- reichlich. Zumeist überwiegen auf seinen Download-CDs die experimentiellen Anteile, nicht hierbei, denn seine Syngate-Produktionen sind doch etwas "Massenkompatibler", d.h. für den EM-Hörer leichter "hörbar".  Die Musik lässt sich somit gut geniessen  und nicht nur die Rhythmen sind äusserst eingängig . Gerade der 5. Titel gefällt mir am besten. Der Rhythmus erinnert mich ein wenig an Klaus Schulzes -Are You Sequenzed?- .... echt klasse! Aber auch die anderen Tracks auf dieser CD sind empfehlenswert. Michael´s Musik bleibt eine "Wundertüte" ... immer für eine (angenehme)Überraschung gut.  www.syngate.net

Uwe Saße

Klangstein: Between The Lines, CDSehr Unterschiedliches, und unerwartet Ungehörtes offenbart das aktuelle Klangstein-Release, auf dem Tom W. die gesamte Bandbreite Tastenerzeugbarer Klangwelten offeriert. Gerade noch "traditionell", wird’s im nächsten Track schon recht orchestral sowie "klavierreduziert", ehe das nächste Stück wieder den relaxten Entspannungsquotienten „hoch hält“. Sehr mutig und gewagt, so viele Themen zu vereinen, fühlt sich möglicherweise der typische Spartenkonsument doch an manchen Stellen nicht immer ganz heimisch. Liebhaber von variablen Stilrichtungstonträgern freuen sich aber dafür umso mehr, die gelungene und sehr kontrastreiche Versammlung synthetischer Tonerzeugungen zu konsumieren!  www.schalldeluxe.de
 

Stefan Erbe

ATB-ContactHallo Erdlinge! Andre „ATB“ Tanneberger nimmt nach einer gefühlten Ewigkeit endlich wieder Kontakt mit uns auf und serviert ein Doppel-Album, dass nicht nur seine riesige, Globusumfassende Fanbase entzücken wird, sondern wieder einmal zeigt, dass der Bochumer zu recht zu den ganz Großen der Branche gehört. Niemand verbindet seine Tanzboden-Tunes so edel mit Midtempo-Nummern, verbindet so treffsicher seine typischen Beats, Stacks und Arpeggios mit dem Gesang diverser bekannter und auch unbekannter Vocal-Artisten und macht damit aus einem massen-bewegbaren Silberling trotzdem ein anspruchsvolles „Dance meets Ambient“-Album. Diese Kombination hebt „Contact“ nicht nur deutlich über die regionale Trance-Umlaufbahn, sondern lässt vielmehr die wiederholte Frage entstehen, warum das heimatliche Universum der deutschsprachigen Rotationsmedien seine Sounds seit vielen Jahren geflissentlich ignoriert. Wir können es uns auch nicht erklären, denn an der Musik kann es nicht liegen, die ist in jedem Fall: Eine Begegnung der besonderen Art!    www.atb-music.com

Stefan Erbe