em:Blick
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- Geschrieben von: Alfred Arnold
- Kategorie: Rezension

Es gibt Alben-Projekte, an die von Anfang an mit einem festen Plan heran gegangen wurde. Umgekehrt entstehen manche Alben ganz spontan aus der Situation des Musik-Machens heraus. Jörg Dankerts neues Album "Between the meantime" liegt auf ungewöhnliche Weise irgendwo zwischen diesen beiden Extremen: Die Titel sind über längere Zeit aus der jeweiligen Situation heraus entstanden, ohne einen übergeordneten Plan zu verfolgen. Das Ergebnis ist ein musikalisches Tagebuch der letzten Monate und ein Dokument, wie die aktuellen Zeiten einen kreativen Geist beeinflussen.
Wer in diesem Tagebuch lesen will, dem macht Jörg Dankert es nicht leicht: Auf erklärende Namen wird verzichtet, die Tracks sind einfach durchnummeriert. Es obliegt dem Hörer, den Bezug zu Ereignissen auf unserem Planeten oder persönlichen Stimmungen herzustellen. Dabei weiß man nie, welche Wendung der nächste Track bereit hält. Der rhythmische Einsteiger könnte zum Beispiel in einem heiteren Moment entstanden sein, aber genauso gut auch marschierenden Soldaten den Takt vorgeben.
Sofern man die weltpolitische Lage und die Tagesnachrichten nicht völlig aus dem eigenen Leben ausblendet, wird es auch nicht überraschen, dass melancholische oder nach gerade düstere Momente über weite Teile die Stimmung vorgeben - das wird auch durch das in Sepia-Tönen gehaltene Cover unterstrichen. Um so erfreulicher ist es, dass Jörg Dankert uns mit mit dem letzten Track einen nicht ganz so pessimistischen Ausblick in die Zukunft anbietet.
"Between the meantime" ist kein einfach zu konsumierendes Album, genauso wie es für den Schöpfer keine einfache Geburt gewesen sein wird. Aber die Auseinandersetzung lohnt sich, denn Jörg Dankert hat die Situation genutzt, um uns seine ganze stilistische Varietät zu präsentieren. Es ist ein Album, das auf seine Weise notwendig war und in unsere vertrackten Zeiten passt. Auch in dieser Hinsicht gebührt Jörg Dankert grosse Lob für "Between the meantime"!
https://joerg-dankert.bandcamp.com/
Alfred Arnold
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- Geschrieben von: Stefan Erbe
- Kategorie: Rezension
Coral Cave-Mitglied Erik Matheisen, gehört zu der Gattung Musiker, die uns bereits einige Jahrzehnte begleiten und sowohl Solo als auch in verschiedenen anderen Konstellationen in Erscheinung getreten sind. In seinem aktuellen Projekt „Spectral Tune“ wird seine langjährige Schaffenszeit erneut deutlich, denn seine Tracks sprühen voller nostalgischer Elemente aus den 80er und 90er Jahren. Die Bandbreite der Stilistik reicht von „TD-Exit-Fortführung“, über pianoreske Klangmalereien bis hin zur emotionalen orchestralen Synth-Variation und leben von der ambitionierten Idee, viele verschiedene Gangarten zu vereinen. Eriks musikalische Perspektive folgt dabei aber keinen Mainstreammechanismen, sondern zeigt seine Sicht auf vergangene Zeiten. Mal Kantig, aber auch sehr emotional.
Schickes Retroalbum mit Anleihen aus geschichtlichen Tagen.
https://spectraltune.bandcamp.com/releases
Stefan Erbe
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- Geschrieben von: Stefan Erbe
- Kategorie: Rezension
Wenn Thomas Hauser unter seinem Pseudonym „Sine“ ein neues Album veröffentlicht ist eines ziemlich sicher, es offeriert einen entspannten coolen Sound zwischen vokalen Relaxnummern und chilligen Beats! So auch auf der aktuellen VÖ „Einklang“.
Wie im Titel zur erahnen, „legt“ sich die Musik von Hauser einmal mehr um das innere Ich und folgt der Maßgabe, die Stücke als seelischen Tiefenfinder zur verwenden. Die Anwendungsintensität, bestenfalls in Dauerrotation eingestellt, beschert uns nicht nur eine gute Zeit, sondern möglichweise einen ergiebigen akustischen Ausgleich zu den aktuell komplizierten Tagen und Wochen. Wer in Kürze sogar den Flieger gen Sünden besteigt, kann „Einklang“ als ideale Strand-Urlaubs-Begleitung mitnehmen und darf sich auf einen tollen Trip mit toller Musik freuen. Lässiger Sitz-am-Meer--und-mir-ist-alles-egal-Soundtrack!
www.sine-music.com
Stefan Erbe
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- Geschrieben von: Stefan Erbe
- Kategorie: Rezension
Wer so lang wie Mario Schönwälder Alben, Musik, Events und viele verschiedene Projekte realisiert hat, darf natürlich auch in regelmässigen Abschnitten auf das Geleistete zurückblicken. Allerdings nicht via Bestof-Album, sondern ganz Mario-Like mit bisher unveröffentlichten Material seiner vielen Wegbegleiter. Die Dritte Decade seiner Wirkungszeit ist dabei geprägt von den Kooperationen mit „den“ üblichen Verdächtigen, zeigt uns aber auf eine deutliche Weise, wie man konsequent sein gewähltes Musikgenre nicht nur am Leben hält, sondern deutsches Kulturgut auch nach 30 Jahren auf sehr hohem Niveau in die Welt distributiert. Alle Tracks vereinen den Manikin-Spirit, der schon eine gefühlte Ewigkeit ein bedeutsamer Teil der hiesigen EM-Welt darstellt. Auch wenn die aktuellen Tracks grundsätzlich moderner und etwas zeitgerechter klingen, haben sie eben immer noch die Leichtigkeit ihres ursprünglichen Erfolgsprinzips und zeigen uns wie vielfältig die elektronische Musik sein kann. Schön, dass alle Beteiligten darüber hinaus auch sonst noch sehr aktiv sind. Nachdenklich und Traurig wird man an einer Stelle, nämlich dann wenn Musik aus der Feder von Thomas Fanger zu hören ist. Aber auch dieser Verlust steht für die lange Zeit, die uns die Musik begleitet und der Tatsache, dass wir bereits einige der tollen Künstler verloren haben und weitere verlieren werden. Geschichte schreibt sich eben nicht nur mit positiven Ereignissen. Die Musik des dritten Manikin-Jahrzehnts hilft aber, die aktuellen Zeiten für einen Moment positiver werden zu lassen.
https://manikinrecords.bandcamp.com/album/manikin-records-third-decade-2012-2022-2
Stefan Erbe
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- Geschrieben von: Stefan Erbe
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Das Tolle an der Arbeit als Empulsiv-Redakteur ist die vielfältige Auswahl an Alben die uns erreichen und dabei immer wieder ganz neue Rezi-Schubladen entstehen lassen. So geschehen, auch mit dem aktuell virtuellen Nerissa Schwarz-Silberling, der für uns nun die musikalische Referenz hinsichtlich der Kategorie fiktiver Filmmusiken darstellt. Auch wenn diese Zuordnung eigentlich ihrem vorherigen Album zusteht, so entsteht auch beim Zuhören der aktuellen VÖ der Eindruck, dass hier erneut eine Geschichte erzählt wird.
Nerissa Schwarz futureskes, cineastisches und imaginäres Thema schwankt über das gesamte Album zwischen dunklen Abgründen, zweifelnden Erwartungen und möglicher Glücksseligkeit. Ihr Sound bietet extreme Kontraste und ist bestem Willen keine Hilfe für die dauerhafte Verfestigung der eigenen Gefühlslage, sondern liefert eine unüberschaubare Anzahl an höhenunterschiedliche Kanten und Ecken für eine tonale Achterbahnfahrt der subjektiven Befindlichkeiten. „New Eyes for Laika“ ist immer dann am stärksten wenn die Musik auf melodiös-reduzierte Elemente zurückgreift. Viele ihrer musikalischen Gedanken sind Abstrakt und erzeugen dennoch Stimmungen, denen wir unweigerlich mit geschlossenen Augen eigene Kino-Bilder zuordnen.
Die Wahl der instrumentierten Tonerzeuger ist spannend und bietet sehr viel Facettenreichtum, aber es braucht auch das Fallenlassen in die Musik und die Bereitschaft alle Sinne und Emotionen dafür herzugeben. Schade, dass es keinen "echten" Film dazu gibt, verdient hätte es die Musik allemal.
https://frequencydrift.bandcamp.com/album/new-eyes-for-laika
Stefan Erbe