Der Recklinghäuser Torsten Abel scheint sich für 2012 einiges vorgenommen zu haben, ist er doch "gefühlt" so aktiv wie nie zuvor. Auch die Ambitionen seinen musikalischen Zenit zu erklimmen, scheint nun ein erreichbares Ziel zu sein, denn so gut wie "hier und heute" klang Abel noch nie. Vielleicht liegt es auch an der omnipräsenten Zusammenarbeit mit diversen Musikern und anderen Projekten, die Abels Output an toller Musik erklären. Dabei gehört Torsten schon zum "Alten Eisen" der EM und gäbe es nicht die längeren Kreativpausen, wäre er vielleicht schon vor einigen Jahren auf seinem Anspruchs-Treppchen ganz oben angekommen. Nun beglückwünschen wir ihn zu seinem besten Album, denn Synthorganics klingt durchdacht und gut produziert. Allerdings ist er immer dann am besten, wenn er die typischen "Berliner Schule-Pfade" verlässt und wie z.B. auf "Didge on the Ridge" eigene Wege beschreitet. Aber auch das Stück "Ghost Whispers" führt in die richtige Richtung, denn die mit "Vokalität angereicherte Haupstadtstilrichtungsmusik" vermengt noch eine Prise Steve Roach-Einfluss und zeigt, dass das BS-Genre noch einiges zu bieten hat. Zumindest bei Abel, denn geschickt bindet er dann noch den typischen Sound von "Gastseitenzupfer" Martin Rohleder ein, was dem Album dann noch die finale Note gibt.
Stefan Erbe
In den CD-Abspielern der empulsiv-Leserschaft wird Thomas Lemmer möglicherweise noch nicht so oft seine Runden gedreht haben, obwohl ein sehr großer Teil seiner Kompositionen den Geschmack der "EM-Jünger" treffen würde. Seine sehr entspannten und entschleunigten Tracks kombinieren einen sehr geglückten Querschnitt aus diversen Stilelementen aktueller Chill- und Lounge-Produkten und zeigen manch anderer Produktion, wie man auch mal über den Tellerrand der üblichen "Bossa Nova meets Omnisphere-Mixture" hinausschauen kann. Auch über die schlanke Anzahl der vocalen Tracks freut sich der Rezenseur, da sie diese Produktion sogar noch ein bisschen besser macht. Nicht "von ungefähr" ist deshalb auch zu erklären, dass der Osnabrücker ein gern gesehener Gast auf diversen Cafe del Mar- und Abstrait-Samplern ist und war. "Relieve"ist erst sein zweites Album und man mag sehr darauf hoffen, dass es musikalisch zukünftig kein "Schweigen des Lemmer" geben wird. (www.thomas-lemmer.com)
Stefan Erbe
Wie vertont man Physik? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Aber Bernd Kistenmacher kommt mit seinem neuen Werk „Antimatter“ der Sache schon recht nahe. Während man sich unter dem Weltall und den Sternen in „Celestial Movements“ und dem Meer in „Beyond the Deep“ noch etwas vorstellen konnte, ist die Welt der Quantenphysik und des CERN Teilchenbeschleunigers doch recht abstrakt.
Zu Beginn des neuen Jahrtausends hatte der spanische Elektronikmusiker Michel Huygen, dessen Musikprojekt Neuronium, das zu zunächst (Ende der 70’er Jahre) als Bandprojekt gegründet wurde und das er seit Jahren als Soloprojekt weiterführt, das Album „Hydro“ aufgenommen. Im Jahr 2010, zehn Jahre nach der Veröffentlichung des ersten Teils, wurde das Werk mit der CD „Hydro 2 – The Deep End“ abgeschlossen. Das mittlerweile 39. Album des spanischen Soundmagiers habe ich Anfang Oktober 2011 beim Electronic Circus Festival erhalten, als Michel Huygen dort als Gast anwesend war.
Zum Album „Medusa“ (2009) hatte ich den Wunsch geäußert, dass Wolfgang Barkowski (Alien Nature) und Torsten Abel (TMA) es nicht bei dieser einen gemeinsamen Veröffentlichung belassen, sondern in Zukunft mehr von ihnen zu hören ist (s. schalldruck 39, Febr. 2010). Mein Wunsch wurde erfüllt, das Ergebnis heißt „Hydra“ und umfasst fünf lange Stücke.