Rezensionen

Ein dreiviertel Jahr haben Torsten Abel, Andreas Aulke und Martin Rohleder uns warten lassen, jetzt ist Sine Amplitude's erste CD 'Hypnotized' fertig.  Aber gut Ding will eben Weile haben, dafür ist sie auch als eine 'richtige' gepreßte CD erhältlich, angesichts der kleinen Auflagen in diesem Musik-Segment wahrlich keine Selbstverständlichkeit.  Wer Sine Amplitude noch nicht kennt: Die drei frönen eher der rockigen Seite der EM - wer Pyramaxx, Morpheusz oder Picture Palace music mag, wird auch an der Musik auf 'Hypnotized' seine Freude haben.

In welche Richtung die Reise geht, macht auch gleich der Einsteiger 'Arpworld' klar: akustisches Schlagzeug, satte Gitarre und Bässe, alles das lädt dazu ein, den Nachbarn an diesem musikalischen Genuß teilhaben zu lassen.  Weiter geht's mit 'Swirling Into The Blue', dieses Mal legt eine Sequenz das Fundament, auf dem dann Drums und Gitarre einsteigen.

rikeerikKolaborationen zwischen EM-Musikern hat es in den letzten Jahren einige gegeben, der Output war dabei oft vielfältig und die Musik zumeist im Ergebnis Besonders und zumeist auch immer Veröffentlichungswürdig. So auch im Fall von Rieke Casper und Erik Matheisen, die sich zum namenverwürfelten Riekeerik zusammengetan haben und mit ihrem ersten Auftritt auf dem Raumzeitfestival ihre Grundlage zum Erstling "Contact" legen konnten. Der Autor gesteht, dass er mit der Einladung zum Festival einen kleinen Beitrag leisten konnte, um der EM-Fangemeinde ein wirklich schönes Album zu präsentieren. Beide Tastenkünstler haben nicht nur ihre musikalische Vergangenheit zu einer neuen Schnittmenge vereint, sondern vielmehr etwas Eigenständiges hergestellt, dass in Sachen musikalischer Qualität sich wohltuend von vielen der letzten EM-Veröffentlichungen absondert. Die kontaktisierten Melodien, Sequenzen und Harmonien zeugen von erstklassiger Handarbeit, Taktwechsel und Transponierungen werden als Stilmittel und Spannungsbogen verwendet und die Sounds, Drums und das Klangdesign sind vielfältig. Hier haben sich Musiker mit künstlerischen Möglichkeiten zusammen gefunden, die davon auch Gebrauch gemacht haben. Wir nehmen gerne mehr davon.

Stefan Erbe

https://rikeerik.bandcamp.com/releases  

 

staubZuerst gehört habe ich dieses neue Spyra-Album als Livekonzert im Bochumer Planetarium. Auch durch die dort gesehenen Projektionen wurde gleich eine recht kosmische Atmosphäre geschaffen. Das muss nicht unbedingt in der Absicht des Musikers gelegen haben, denn bei dem Album „Staub“ geht es nicht primär um kosmische Themen.

Ich lasse gerne Wolfram Spyra selber zu Wort kommen und zitiere aus dem CD-Booklet: „… I got to thinking about electronic music and its genesis, asking myself where it all startet and where it’s at now. … Somewhere, at some time, I started experimenting with an old Juno 6 and fell in love with sequences all over again. Apparently all ordered and logical, but then, the more I played and the deeper I listened, the more chaotic and unpredictable their sound became. Late in 2013 I started to record my sessions. Always in the middle of the night while the city was asleep. … At last, I was back, dreamily, in my element.”

Bereits seit Anfang der 1990er Jahre publiziert der Norweger Sverre Knut Johansen melodische elektronische Musik. Mit Earth From Above erschien am 5. Februar nun seine erste Veröffentlichung bei dem amerikanischen Label Spotted Peccary, wo er sich auch den Gitarristen David Helpling zur Unterstützung auslieh.

Das Album besticht durch seine malerischen Kompositionen, die man, dem Titel folgend, gut als klangliche Interpretationen diverser Landschaftsansichten vaus der Vogelperspektive gesehen verstehen kann. So divers, wie sich das Bild der Erde gibt, sind auch die Stücke Johansens. Mal friedvoll und schön, aber auch etwas rauher, felsiger in ihrer Gestaltung, die dennoch einem wohlklingenden Rhythmus folgen. Mit Ausnahme von #Connecting#Landscapes, das eher leicht experimentell und abstrakt daher kommt und nicht ganz in das harmonische Gesamtbild passt.

Insgesamt hat Johansen ein schönes Werk aufgelegt, mit teils träumerisch veranlagten und zeitlich dramatisch anmutenden Klanglandschaften.

Bezug: http://spottedpeccary.com/shop/earth-from-above/

Stefan Schulz

Sowohl Eric van der Heijden als auch Rene Splinter sind in der EM-Szene keine Unbekannten.  Neu ist, dass die beiden sich jetzt als Uni-Sphere zusammengetan haben. Was bei dieser Zusammenarbeit herausgekommen ist, kann man auf ihrem Debüt-Album 'Endless Endeavour' hören.

Stilistisch sind die beiden ja gar nicht so weit auseinander, sowohl Rene als auch Eric stehen für den eher melodischen Stil der elektronischen Musik.  Bei Rene kann man immer wieder den Einfluss Tangerine Dreams aus den 80er Jahren heraushören, Eric gilt als der große Romantiker unter den holländischen EM-Musikern.

So hört man denn auch auf Endless Endeavour viele Klänge, die einem von einem großen Vorbild vertraut vorkommen mögen - aber warum auch nicht?  Entscheidend ist, was man aus diesen Elementen macht, und dieses Experiment kann man getrost als gelungen bezeichnen.  Zwischen den 10 Titeln wechselt die Stimmung hin und her, von eher ruhigen und romantischen Stücken wie 'Vulnerating Values' oder 'Compromising Colors' zu richtig flotten Tanznummern wie dem 'Jocular Jive'.  Die Namen der Titel dürften übrigens alle samt Erics Feder entsprungen sein, er hat ein Faible für Alliterationen.

Das Titelstück ist mit 15 Minuten mit Abstand das längste der CD, findet sich in ihrer Mitte und ist dreigeteilt.  Im ersten Teil beginnt es schwärmerisch ruhig, romantischer - für mich klar Eric Handschrift.  Der zweite Teil ist ein Piano-Solo von Rene, ganz in dem Stil, wie Johannes Schmoelling sie bei TD gespielt hat. Der letzte Teil beginnt wieder sehr ruhig und entwickelt sich über seine sechs Minuten zu einem dynamischen und von Sequenzen geprägten Höhepunkt.

Ein besonderer Titel, den der eine oder andere vielleicht schon kennt, den man aber bisher nur einige Male live hören konnte, ist 'Colorful Fields Of Summer', das die beiden schon vor einiger Zeit der Schallwende-Vorsitzenden Sylvia Sommerfeld gewidmet hatten.  Wer es immer schon einmal auf CD haben wollte, findet es jetzt hier unter dem neuen Namen 'Eloquent Exposure'.

Zusammenfassend ist Eric van der Heijden und Rene Splinter eine bunte und abwechslungsreiche Reise durch die melodische Seite der EM gelungen.  Wie der Titel 'Endless Endeavour' andeutet, sind solche Reisen aber nie zu Ende - weiter so!

Bezug: www.groove.nl

Alfred Arnold

Der iranisch stämmige Musiker Arash Parsania komponiert bereits seit seiner Jugend elektronische Musik. Er ist, von einer kürzeren Phase im Feld der elektronischen Tanzmusik abgesehen, vorwiegend im symphonischen Genre unterwegs, zu dem auch sein aktuelles Album Creation zählt. Dabei spannt er einen Rahmen von feinsinniger Elektronik a la Suzanne Ciani bis hin zu eher bombastischen, Filmmusik-artigen Abschnitten. Klangauswahl und Melodiebögen lassen dabei den arabisch angehauchten Hintergrund des Künstlers erkennen. Die Kompositionen provozieren durch ihren Ablauf neben dem akustischen ein sehr bildhaftes Erlebnis, abwechslungsreich in Tempo und Klanggewalt, ohne erkennbare Längen. Symphonische Musik in modernem Gewand, aber mit unverkennbaren Wurzeln in der traditionellen und tanzbaren elektronischen Musik.

Bezug: http://parsania.com/

Stefan Schulz

wellenfeldDet und Andreas alias Wellenfeld tummeln sich nun auch schon eine ganze Weile in der EM-Szene und veröffentlichen regelmäßig Alben, die uns nicht erst seit dem neuesten Lonplayer vor Augen führen, dass sie die wahren Herrscher der ultimativen Sequenzen sind. Keine andere Band verschachelt die Anordnung ihrer Tonfolgen so dramatisch und nachdrücklich. Dieser Charakterliche Schwerpunkt ist schon immer ein besonderes Erkennungsmerkmal gewesen und zieht auch bei den " neuen Elementen" wieder seine Kreise. Der etwas Retromässige Sound ergänzt mit eigenem Charme und hätte gerne auch noch ein paar melodische Elemente zu sich gesellt. Aber geschenkt, Sequenzer Go!

www.mellowjet.de

Stefan Erbe 

Die Zusammenarbeit zwischen Pyramid Peak und Maxxess gab es bislang nur auf der Bühne zu bestaunen, wo Max Schiefele alias Maxxess der Elektronikband um Axel Supplich den besonderen Kick für das Live-Spiel gibt. Mit Pyramaxx schließen sich Max, Axel und Andreas nun zu einem offiziellen, eigenständigen Projekt zusammen und ihr Debut schlägt sich in dem Album Distance nieder. Und hier zeigt sich auch, dass sich die Richtigen gefunden haben, denn die dynamische, progressive Elektronik aus Leverkusen lebt hier in perfekter Symbiose mit den rockigen Elementen von Max und es ergibt sich eine Musik zum genießen und mitfühlen; instrumentaler Elektronik-Rock erster Güte.

Info und Bezugsquellen: Offizielle Website von Pyramaxx

Stefan Schulz