

"Epische" CD-Produktionen, die sich zum Inhalt nehmen, den Hörern schon nach den ersten Minuten völlig "wegzublasen", gibt es wahrhaftig selten und gehören zu einer eher "aussterbenden" Gattung, denn viel zu oft, werden die Produktionen in bester "Marketingstrategie", konsumfreundlich und Hörgerecht angeboten. Nicht so bei Dave Pearson alias Computerchemist, der sich für die beiden Produktionen den Trommler Zsolt Galantai eingeladen hat und nicht nur deswegen, zwei "große" Alben abliefert. Stilistisch sauber getrennt finden die Geschichten auf Signatures 1 noch eher elektronisch und durchaus "Hauptstadtorientiert" statt, so sind auf der zweiten (ebenfalls als eigenständiges Produkt gefertigt) Scheibe, durchweg "Prog-Rock meets Psychedelic"-Tracks zu finden. Selbst wenn die Musik nicht immer den Durchschnitts-Geschmack hiesiger EM-Fans treffen sollte, so muss man beiden Alben ein hohes Mass an Produktionsqualität bestätigen, denn die Gitarrenparts, das Drumming und die Synths "erklingen" im exakten Timing, erzeugen Spannungen und hinterlassen den Eindruck, an etwas Teurem teilgenommen zu haben. Signatures sind wahrhaftig keine einfachen Konsumprodukte, sondern vielmehr die mutige Konstellation, dass "Episch" noch geht. http://www.computerchemist.com
Stefan Erbe

Irgendwie scheint des im Oktober 2012 veröffentlichten Albums Signs in the Sand von Ron Boots ein wenig an mir vorbei gegangen zu sein. Dabei handelt es sich um ein wahres Kleinod. Die Musik stammt zum Großteil aus einem Konzert im Mai des gleichen Jahres, das der Musik seines Vorbilds Klaus Schulze gewidmet war und zusammen mit Remy Stroomer in der Sankt Bavo Kirche in Haarlem gegeben wurde. So erinnern auch Aufbau und Klanggestaltung der Stücke an den EM-Veteranen, sind jedoch bei weitem keine Kopie seines Stils oder seiner Musik.
Die letzten Veröffentlichungen des Ungarn Tamas Zsiros unter dem Alias Weldroid haben immer wieder begeistert. Sie bringen immer eine extrem frische Atmosphäre seiner elektronischen Musikwelt mit. Mit Protozorq ist ihm wieder ein solches Album gelungen. Moderne, progressive Elektronik, mal konkret, mal eher abstrakt, aber immer mit prallen Bildern für den akustischen Sektor im Gehirn. Das neue Werk kommt schon recht rhythmisch daher, kann aber sowohl klangtechnisch wie anspruchsmäßig überzeugen. Das Album bringt sieben neue Tracks mit gutem Groove-bis Tanz-Faktor auf die Membranen, wirkt insgesamt jedoch ein wenig dunkler als vorherige Produktionen. Zudem befinden sich drei Remixe älterer Stücke durch Gastmusiker im Paket, die sich wirklich hören lassen und den Weldroid-Tracks sehr spezielle Noten verpassen. Erschienen ist das Werk als kostenlose Downloadversion bei dem ausgezeichneten tonAtom Netlabel von Matthias Reinwarth.
Der norwegische Elektronik-Musiker und Gitarrist Erik Wøllo hat sich schon länger einen Namen in der EM gemacht, insbesondere mit seinen großartigen Auftritten gerade in Deutschland und den Niederlanden. Celestia ist eine Download-Mini-Album von knapp unter 30 Minuten, auf der er seine andere Leidenschaft muskalischer Art präsentiert: den Ambient. Feinsinnige Flächen spannen hier den Bogen auf, durchtränkt von flirrenden Klangkollagen und treibend-rhythmischen Elementen. Sehr anregende Musik mit Kopfkino-Qualität.
Auch auf seiner dritten CD -Phase Shift-, die dem US-Astronauten und erstem Menschen auf dem Mond, Neil Armstrong, gewidmet ist, zieht Hollan Holmes wiedermal alle Register und entführt uns in die unendlichen Weiten des Alls.