Auch der nächste Lounge-Chil Tonträger, der über den virtuellen Briefkasten die Redaktion erreichte, nötigt uns einmal mehr, über ein neues "Sine-Produkt" sehr gefällig zu rezensieren. Auch wenn das Cover einen weiteren Sampler mit verschiedenen Interpreten vermuten lässt, so steht hinter Gold Lounge der italienische Solist Michele Felloni. Er beschert uns eines der Alben, die man wahrscheinlich in der großen Gesichter-Menge an Wellness-Produkten übersehen würde und man sich sicher später darüber ärgern würde, wenn man an ihr vorbei gelaufen ist. Denn die 13 (Itunes 15) Tracks klingen toll und eingängig und reihen sich nahtlos in das gewünschte positive Feeling ein, dass man mit dem Auflegen der CD beabsichtigt. Sowohl die Vocal-Tracks als auch die Instrumentale Stücken sind "Fluffich" und "Yogurette-Leicht" zu konsumieren. Dabei ist die Musik keineswegs nur zum einmaligen Gebrauch geeignet, denn die wahre Tiefe der Kompositionen braucht ein bis zwei Umdrehungen, um komplett anzukommen.
mehr Infos: https://www.sine-music.com/produkt/gold-lounge-double-life/
Stefan Erbe


Man könnte vermuten, dass bei Steen Chorchendorff Jorgensens zweitem Album, eine vierköpfige Trendsetter-Band aus Düsseldorf Pate gestanden hat. Sehr deutlich vernimmt man die typische Vocoder-, Drum- und Sequenzer-Elemente die sich durchweg in fast allen Tracks wiederfinden lassen und kraftwerklich designd sind. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass noch ein weiterer Däne mit Neigung zur vokalen Verschraubung am Album mitgewirkt hat. Björn Jeppesen alias Nattefrost hat einen wesentlichen Anteil zum Gelingen des Albums beigetragen und gemeinsam mit Steen die Stücke exzellent finalisiert. Wenn doppelte dänische Kräfte wirken, freut man sich fast immer über das Ergebnis, denn die Kompositionen erweitern den Horizont des Klick und Knarz-Fans Düsseldorfer Robotermusik durchaus, kopieren sie nicht in üblicher Form manch billigen Duplikates, sondern schaffen ein Konzept, dass auch deutlich nach rechts und links der typischen menschmaschinlichen Programmierung schaut. Nur der letzte Track, der eine echte vokale Unterstützung bekommen hat, wirkt etwas deplatziert in der sehr syntetischen Soundstruktur der anderen Stücke. Aber das ist "Jammern" auf hohem Niveau und wird keinen der Fans abhalten sich diese CD zu beschaffen, denn die anderen verdrehten Tonerzeugungen überzeugen!
Pöngse alias Jürgen Krutzsch alias Cinema! Klingt verwirrend? Isses aber nicht, denn der Werdohler Musiker, seines Zeichens alter Krautrocker und Musik-Kneipenwirt, versammelt mal eben so, jede Stilrichtung cineastischer Audio-Optionen auf seinem aktuellen Silberling. Dabei ist es gerade mal das zweite Album in 27 Jahren, dass der Sauerländer auf die "Kopfkinowände" seiner Fans projiziert und mit seinen 10 Stücken eine veritable Auswahl verschiedenster Mach-Arten präsentiert. Neben Gitarrenriffs, finden sich perlige Sequenzen, theatralische Chöre und Streicher, sowie rockige und "technoide" Ansätze. Verzeihen müssen wir nur die etwas unglückliche Namensgebung der Tracks, die eher auf Synthesizer-Presets diverser 80er-Jahre Tonerzeuger vermuten lassen. Auch die etwas plakative Covergestaltung wird dem Inhalt nur bedingt gerecht, denn die Tracks sind stimmig und klingen erfrischend unkompliziert. Und so wird jeder Film-Liebhaber in der Auswahl der Krutzschen Kurzfilmchen (s)einen Favoriten finden und sich hoffentlich auch auf die dritten Werdohler Filmtage freuen. Auch wenn sie womöglich erst wieder in knapp 25 Jahren stattfinden sollten. Nun, bis dahin müssen dann die Wiederholungen herhalten.
Es gibt einige Künstler, die schon seit einigen Jahren aktiv, aber eher unbemerkt Musik produzieren. Unbemerkt deshalb, weil man sie entweder noch nicht Live gesehen hat oder die Anzahl der produzierten Alben noch nicht so zahlreich waren. Void alias Danyo Romijn gehört auch zu diesen Musikern. Dabei bietet seine Musik eine Besonderheit, die eine größere Anzahl Hörer verdient, denn der Plattenkritiker erfreut sich immer dann über neue Produkte wenn sie eine eigene Stil-Nische gefunden haben, und dazu gehört diese CD zweifelsfrei. Die Versammlung "analoger" Sounds und die Geschichte der 6 Stücke, erzählen über Elemente, Sounds und Kompositionen, die eine konzeptionierte Story beinhalten und viel Kopfkino erzeugen. Aber Avoidance benötigt viel Aufmerksamkeit und echtes Zuhören, ansonsten verpasst man die tragenden Highlights die wohldosiert eine Gesamtstimmung erzeugen, die man bisher noch nicht gehört hat. Natürlich wird man "manchertracks" auch an synthetisierte Streicherklänge frühere Pioniere erinnert, konsumiert die aber gerne, da sie nicht nur als Kopiereffekt alterlichen Grossväter benutzt werden, sondern in der Summe zu einem prima Voidschen Erkennungsobjekt geworden sind. Vielleicht traut sich die Musik demnächst auch mal auf eine Bühne der hiesigen Szene, um sie einem größeren Publikum zu präsentieren. Verdient hat sie es in jedem Fall.